Blick ins Innere der Badruine; Foto: Infoamt Hüfingen, Roland Sigwart

Vom Irrtum eines forschenden Abiturienten

Anekdote: Der Schulaufsatz

Während der ersten Ausgrabungen war zunächst noch gar nicht klar, welche Funktion die Überreste in Hüfingen hatten. Der Freiburger Abiturient Joseph Fricks verfasste 1824 in den Osterferien einen Aufsatz darüber. Sein Lehrer, der Schulpräfekt Heinrich Schreiber, war begeistert.

Zeichnung des Kastellbades nach Joseph Fricks; 1824; Foto: wikipedia-gemeinfrei

Wohntrakt oder Badegebäude?

Schüler mit eigener Meinung

Joseph Fricks wählte für seinen Aufsatz die Briefform: Nach einer genauen Beschreibung der Gebäudeüberreste „wollen wir einen Moment stehenbleiben, liebster Freund, und erörtern, zu welchem Zweck dieser Wohntrakt wohl errichtet worden ist. – Ein Badegebäude war es, wird alle Welt im Chor schreien. – Ich für meinen Teil kann, ich gestehe es ehrlich, nach sorgfältiger Abwägung des Befundes dieser Ansicht keinesfalls beipflichten.

Heinrich Schreiber, Kreidelitographie, 1830; Foto: wikipedia-gemeinfrei

Schreiber war einer Meinung mit seinem Schüler.

Bodenheizung ist kein Beweis

Frick sah die Bodenbeheizung nicht als Beweis für die Existenz eines Römerbades an. Römer hätten auch ihre Wohnräume auf diese Art und Weise beheizt, da ihnen die moderne Form der Heizöfen unbekannt gewesen sei. Der Lehrer, Heinrich Schreiber, pflichtete seinem Schüler bei. Das Gebäude gleiche mehr einem Kastell oder Landhaus und die Bodenheizung sei eine „bekannte italienische Sitte“.

Besucher in der Badruine Hüfingen; Foto: Infoamt Hüfingen, Matthias Hangst

Eine Heizung für strenge Winter.

Verwöhnte Römer

Joseph Frick schlussfolgerte weiter, dass „die damals schon verwöhnten Römer“ einem strengen nordeuropäischen Winter ohne Heizung gar nicht standgehalten hätten. Es würden kaum irgendwo römische Häuser ohne doppelten Boden ausgegraben. „Welcher gründliche Kenner der Umstände wird bloß wegen dieses Befundes glauben, alle seien Bäder gewesen?“

Publizierter Irrtum

Heinrich Schreiber (1793–1872) ließ den Aufsatz Fricks 1824 sogar veröffentlichen. Als Schreiber zwei Jahre später zurück an die Freiburger Universität berufen wurde, setzte er seine Altertumsforschungen fort – er gilt heute als der erste bedeutende Lokalhistoriker Freiburgs. Joseph Frick dagegen studierte Mathematik und Physik und promovierte in Medizin.

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